Schiff Ahoi…

Wer es noch nicht bemerkt haben sollte: es ist Sommer. Für viele mag es bei dieser nüchternen Feststellung bleiben, einige schleppen sich aus genau diesem Grund an einen überfüllten Strand und wieder andere besteigen ein Boot und schippern damit über einen unserer vielen Seen. Genau das habe ich am Wochenende auch getan. Mit dem Paddelboot meiner Mutter. Jeder Soziologe und Psychologe hätte dabei seine wahre Freude.
Da kommen die Mikes mit intelligenzvernichtendem Lärm auf ihren Affenfelsen vorbeigebrettert – auf dem Sonnendeck braten die Shirleys vor sich hin. Natürlich alle mit nem modischen Sonnenvisier um das gestylte Vakuum. In diesem Zusammenhang muss ich immer an die EPROMs denken. Für alle elektrotechnisch wenig gebildeten: dabei handelt es sich um Speicherchips, dessen Inhalte sich durch intensive UV-Bestrahlung wieder löschen… Ich bin mir sicher, hier besteht ein Zusammenhang…
Schön sind auch die fröhlichen Bootsausleiher-Familien, meist Berliner, die offenbar den unaufhaltsamen Drang haben, verzückt allen vermeintlich Eingeborenen zu winken. Ich freu mich ja über nette Menschen, aber als ich dann mal einfach nur ne Pause am Ufer machen wollte und schon einen lahmen Arm vom Zurückwinken hatte, vespürte ich plötzlich ein bisschen Sehnsucht nach meinen Waldorfs und Stadlers… Fast wäre ich verhungert, weil ich vor lauter Winken meinen Proviant nicht verspeisen konnte.
Am sympathischsten sind mir da doch die Segler und andere nichtmotorisierte Wassersportler. Die sind auch ganz nett zu einander und grüßen sich alle. Vor zwei Stunden stand man sich noch feindlich an der Supermarktkasse gegenüber, rollte die Augen, weil der andere nicht schnell genug das passende Kleingeld finden konnte, rammte sich mit dem Einkaufswagen um noch das tolle Lidl-Sonderangebot zu erstehen oder kämpfte eine erbitterte Schlacht im Straßenverkehr. All das ist vergessen, jetzt wird sich artig gegrüßt!