Mein Leben mit Waldorf und Stadler oder Bei meinem Nachbarn klappert´s oben.

Dean Moriarty hat sie ja freundlicherweise schon vorgestellt: Waldorf und Stadler… wobei die sicher auch schon vorher jeder kannte – sind sie doch überall und zahlreich im schönen Havelstädtchen anzutreffen. Am liebsten treten Waldorfs und Stadlers zu Klumpen geballt auf – in den beliebten Angel- oder Kleingartenvereinen, die so verheißungsvolle Namen wie „Erdenglück“ oder „Erholung e.V.“ tragen.
Wer sich fragt, wo die beiden wohnen, dem sei gesagt: bei MIR!
Ich bin ja gerade umgezogen und da ich möglichst viele Zimmer für möglichst wenig Geld benötigte, musste ich eben das nehmen, was ich nun mein neues zu Hause nenne… (mir stehen bei dem Gedanken gerade schon wieder die Tränen in den Augen…)
Ich wohne im Erdgeschoss. Neben mir und über mir, darüber ebenfalls und auch im vierten Stock wohnen überall Waldorf und Stadler. Ein Glück hört das Haus nach dem vierten Stock auf. Die Eingangstür wird jeden Abend ab um Neun abgeschlossen. Zweimal natürlich. Sicher ist sicher und man kann nie wissen und Ordnung muss sein. Hm.
Herrn Waldorf1 habe ich schon zwei Tage nach der Wohnungsübergabe kennen gelernt.
Als ich voll bepackt mit Farbeimern und Kartons meine verhasste neue Wohnung aufschließen wollte, bemerkte ich eine halbe Treppe höher einen Menschen, der sich mir als schräg über mir wohnender Mitmieter offenbarte. Ob ich denn die neue Mieterin sei, die jetzt da unten einzieht, wollte er wissen. Ich bejahte und er fuhr fort: „naja, achso, das ist ja schön, ja, aber wissen se – e i n Problem habe ich…“ (Das glaube ich gern. Wer mit einem weißen Rippenhemd bekleidet, das in einer bis an die Brust gezogenen Hose mit Bügelfalten steckt, im Hausflur neuen Mietern auflauert, hat definitiv ein Problem. Und mit Sicherheit nicht nur eines.) „… Sie schmeißen die Tür immer so zu!“ meckerte er jetzt los. „Könn´se die nicht mal n bisschen leiser zu machen? Wissen se, bei mir klappert´s dann oben richtig…“ Dass bei ihm oben was klappert, kann ich mir gut vorstellen. Dass jemanden das Geräusch einer sich schließenden Tür stört, der direkt an einer vierspurigen Straße wohnt, von der so ein Lärm herkommt, dass man tagsüber nicht das Fenster aufmachen kann, dagegen nicht.
Ich bin ein netter Mensch und auch ziemlich hilfsbereit. Ich mache meinen Mitmenschen gerne eine Freude. Deshalb mache ich jetzt öfter mal Krach. Ich singe laut, springe von der Stehleiter, schmeiße die Tür zu oder werfe Topfdeckel auf den Küchenboden. Wenn mir gar nichts besseres einfällt, dreh ich einfach mal die Musik lauter. Und spätestens zu Weihnachten kaufe ich meiner zweijährigen Tochter ein Schlagzeug. Oder ne Trompete. Nicht, weil ich Lärm mag oder mir das alles Spaß machen würde– nein, um Himmelswillen – nur aus Rücksicht auf meine Mitmenschen. Wär´ doch schlimm, wenn die Waldorfs und die Stadlers nichts zum Aufregen hätten… Kann man doch nicht machen…
So viel dazu. Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot. Meine Schlussfolgerung: ich werde nicht zu Klassentreffen gehen und ein Boot schaffe ich mir lieber gar nicht erst an…

Ein Gedanke zu „Mein Leben mit Waldorf und Stadler oder Bei meinem Nachbarn klappert´s oben.

  1. Teufel

    Hehe sehr schön geschrieben…kann mir richtig vorstellen wie heimlich geguckt wird wer im Treppenhaus unterwegs ist…kenne sowas nur zu gut.

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